Geschichte - Historische Pfynschiessen

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Geschichte

Vom Erinnerungsschiessen zum Historischen Pfynschiessen

 
Einst Sagenumwitterter Wald, heute vielbewunderte Naturschönheit ist einmal im Jahr Schauplatz eines Grossanlasses das Historische Pfynschiessen.

Seit der 150-Jahr-Feier der Schlacht bei Pfyn im Jahre 1949 wird alljährlich ein Erinnerungsschiessen durchgeführt. Dank grosser Anstrengungen der organisierenden Verantwortlichen und der Schützen kann dieser Anlass seit 1964 als Historisches Pfynschiessen durchgeführt werden. Dieses Schiessen findet immer am Pfingstwochenende statt.
 
Wir freuen uns, Schützen und Gäste aus verschiedenen Kantonen und Regionen bei uns begrüssen zu dürfen. Das Historische Pfynschiessen möge uns jährlich bewusst machen, dass echte Werte der Heimat immer neu erkämpft werden müssen durch Gemeinschaftssinn, Freiheitswille und Mut. Den Aktiven wünschen wir Treffsicherheit, den Festteilnehmern einen angenehmen Aufenthalt im Pfynwald, an der Stätte, bei der unsere Ahnen für Freiheit und Vaterland den Heldentod erlitten. Auch hoffen wir, dass erneut neue Freundschaften geschlossen und alte aufgefrischt werden.
 

"WAS DAMALS GESCHAH"

 
Die Franzosen waren ins Land ein­gefallen. Die fünf alten Zenden des Oberwallis traten zum Kamp­fe an. In Pfyn richtete man sich auf eine Verteidigung ein. Man baute Schanzen und Gräben. Dom­herr Dionys Imesch, der diese Vor­gänge in seinem Buche ,,Die Kämpfe der Walliserin den Jahren 1798 bis 1799" (Sitten, 1899) be­schreibt, schätzt den Bestand der Oberwalliser Mannschaft in Pfyn auf 2000 bis 3000 Mann. Sie besassen acht dürftige Kanonen. Es fehlte zudem an Blei und Pulver für die langen, aber treffsicher ge­handhabten Musketen. In Siders standen den Oberwallisern 4000 Feinde (Franzosen, Waadtländer, Unterwalliser) mit guter Artillerie und Bewaffnung gegenüber. Am 9. Mai 1799 schlugen die Oberwalliser einen Angriff ab. Ebenso kämpften sie am 15. und 16. Mai erfolgreich in Pfyn und in Varen. Die grosse Schlacht aber entwickelte sich am 27. Mai 1799. Am Vortage war in Siders General Xaintrailles und paradoxerweise der Walliser Generaladjutant F. J. Schinner, Offizier im ehemaligen französischen Regiment de Courten, mit frischen Truppen ange­kommen. Die von den Oberwallisern aus Italien erwarteten öster­reichischen Verstärkungen kamen leider zu spät. In der Morgenfrühe stiegen 300 geübte  Oberwalliser durch das ,,Koly" oberhalb Inden auf und vertrieben die bei Varen stationierten Franzosen. Ein zwei­ter Trupp drängte die Feinde aus dem Pfynwald. Abends zogen sich die Unseren ermüdet und erfreut über den Sieg in die Schanzen von Pfyn zurück und legten sich, wohl etwas sorglos, zur Ruhe. Sie erwarteten keinen neuen Angriff mehr. Xaintrailles liess aber in der gleichen Nacht mehr als 1600 frisch angekommene Soldaten wieder in den Pfynwald einrücken. Um 2 Uhr früh drangen diese lautlos in die Schanzen von Pfyn ein. Im mörde­rischen Feuer war kein geordneter Widerstand mehr möglich. Viele unserer Väter starben auf dem Kampfplatz oder auf der Flucht. Die Folgen dieser Schlacht kennt man: das Wallis wurde ganz er­obert  und viele Orte (z. B. Ems, Varen, Agarn u. a.) verbrannt. Die Franzosen verübten schreckliche Gräueltaten und raubten alles. Von diesen Ereignissen hat sich unser Land nur schwer erholt.

 
DAS DENKMAL

 
Domherr Imesch schlug an der Jahresversammlung des Geschichts forschenden Vereins Oberwallis im Oktober 1897 vor, in Pfyn zum 100. Jahrestag der  Kämpf eine Gendenkfeier abzuhalten. Diese Idee fiel auf begeisterte Zu­stimmung. Man beschloss noch mehr, nämlich: die Errichtung eines Denkmals in Pfyn eine pa­triotische Feier mit Seelengottesdienst und Festpredigt das selbst am 22. Mai 1899, Vorlesung eines Schlachtberichtes, Herausgabe ei­ner Festschrift und einer eigens für die Pfynfeier gedichteten Hym­ne von Leo Luzian von Roten, die man auch in Musik zu setzen ge­dachte. Nachdem in den sieben alten Zenden Festkommitees für diese Ideen geworben hatten, kam es zur eindrücklichen Feier. Pfarrer Brindlen aus Glis und Domherr Bagnoud predigten in den Landessprachen, Staatsratspräsident H. de Torrente, Nationalrat A. Perrig, Staatsrat Zen-Ruffinen und Pfarrer J. Schmid aus Mörel hielten An­sprachen. Die Festschrift erschien. Leo Luzian von Rotens "Walliser Freiheitslied" beginnt mit den Worten:
"Lasst hoch ein Dankeslied erschallen
Den Männern, die in heisser Schlacht
Für Gott und Vaterland gefallen
Erdrückt in roher Übermacht"

Das von Baumeister Kalbermatten in Sitten entworfene und von den Brüdern Tamini in Monthey aus­geführte Denkmal, ein schmuck­loser, auf einem Sockel stehender Obelisk, konnte enthüllt werden. Die Kosten in der Höhe von Fran­ken 6830. - wurden auf die Zehn­den verteilt. Obwohl das Wetter zu wünschen übrig liess, kam eine grosse Volksmenge in je drei Ex­trazügen aus Sitten und Brig nach Susten. Mit Fahnen und Kostümen zog man nach Pfyn. Es war dies eine patriotische Feier, wie man sie "seit Menschengedenken nie wieder erlebt hatte" (Blätter aus der Walliser Geschichte, Bd. 11, 1898-1999). In Pfyn wurden seit­her weitere Gedenkfeiern durch­ geführt. An eine von ihnen erinnert eine neben dem Sockel des Denk­males stehende steinerne Bank.

EIN MAHNMAL

Weiss erhebt sich der Obelisk von Pfyn und weithin sichtbar aus den grünen Wipfeln des Waldes. Er trägt neben dem Zeichen des Kreu­zes die Inschrift:
Unseren Vätern
1799
MAIORUM UM PRO ARIS PATRI
ISQUE FOCISMORIENTUM SIS MEMOR ET PATRIAM
MACTE TUERE NEPOS

Frei übersetzt lautet der zweite Teil der Schrift: ,,Du, Nachfahre, sei eingedenk der Voreltern, die für ihren Glauben und die väterli­chen Herde gestorben sind, und wohlan beschütze die Heimat!" Der heutige Mensch mag die Not der damaligen Zeit vergessen ha­ben oder verständnisvoll und müde über das Pathos dieser Inschriften lächeln. Wer weiss aber, ob dieses Denkmal uns nicht eines Tages zum Mahnmal wird. Die Werte des Glaubens und der Freiheit sind heute ebenso gefährdet wie da­mals. Der Obelisk von Pfyn könn­te auch zum Fanal werden.

Quelle Alois Grichting
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